Gesundheitsfragebogen für Patienten
- Digital (verfügbar)
- Papier (verfügbar)
- Themen
- Dauer
- circa 10 bis 15 Minuten
- Altersgruppe
- Sprachen
- Verwandte Verfahren
- Autorenschaft
- © Pfizer (2002), Löwe, B., Spitzer, R. L., Zipfel, S. & Herzog, W. (2002), Spitzer, R. L., Kroenke, K. & Williams, J. B. W. (1999)
Kurzbeschreibung
Der Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-D) ist ein Fragebogen zur Selbstbeurteilung der psychischen Beschwerden, die in der medizinischen Versorgung am häufigsten vorkommen: somatoforme, depressive, ängstliche und essgestörte Beschwerden sowie Alkoholmissbrauch. Er unterstützt die Diagnostik dieser Störungen bei der Erstuntersuchung und im Verlauf. Zwei seiner Module liegen auch einzeln vor: der Patient Health Questionnaire 9 (PHQ-9) für Depressivität und der Patient Health Questionnaire 15 (PHQ-15) für somatische Symptome.
Die Fragen leiten sich aus den diagnostischen Kriterien des DSM-IV ab. Für Major Depression, Panikstörung und Bulimia nervosa werden alle Kriterien abgefragt, für die übrigen Syndrome nur ein Teil, sodass diese Abschnitte eher dem Screening dienen. Die Komplettversion umfasst knapp 80 Fragen auf vier Seiten. Ausgewertet wird auf zwei Wegen. Kategorial prüft die Plattform nach Algorithmen, die sich am DSM-IV orientieren, acht Syndrome: Somatoformes Syndrom, Major Depressives Syndrom, andere depressive Syndrome, Paniksyndrom, andere Angstsyndrome, Verdacht auf Bulimia nervosa, Verdacht auf Binge-Eating-Störung und Alkoholsyndrom. Dimensional bildet sie Summenwerte für Depressivität, somatische Symptome und Stress durch psychosoziale Belastungen und ordnet sie Schweregradstufen zu.
Entwickelt wurde der Patient Health Questionnaire (PHQ) von Spitzer, Kroenke und Williams (1999) als Fassung zum Selbstausfüllen des interviewgestützten PRIME-MD, für das Screening psychischer Störungen in der hausärztlichen Versorgung. Die deutsche Fassung stammt von Löwe, Zipfel und Herzog an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Eine Arbeitsgruppe um Gräfe (2004) hat sie in Hausarztpraxen sowie in internistischen und psychosomatischen Ambulanzen geprüft. Als Screening lässt sich der Bogen allen Patientinnen und Patienten vorlegen, etwa beim Eintreffen in der Praxis oder Klinik. Die Summenwerte eignen sich außerdem für die Verlaufsdiagnostik, etwa zur Therapiekontrolle.
Auswertung
Die Auswertung übernimmt die Plattform automatisch. Zum Nachprüfen steht hier, wie der Test nach Manual ausgewertet wird.
Die Fragenummern sind die der Papierfassung. Die Digitalfassung zeigt keine Nummern und stellt die Stressfragen 12a bis 12j ans Ende. Die Fragen 1a bis 1m und 12a bis 12j werden mit 0 bis 2 Punkten bewertet: nicht beeinträchtigt, wenig beeinträchtigt, stark beeinträchtigt. Die Fragen 2a bis 2i werden mit 0 bis 3 Punkten bewertet: überhaupt nicht, an einzelnen Tagen, an mehr als der Hälfte der Tage, beinahe jeden Tag. In den Syndromen zählt außerdem, ob die Ja-Nein-Fragen 3, 4, 6, 8 und 10 mit Ja beantwortet sind und welche der drei Antworten bei den Fragen 5a bis 5g angekreuzt ist: überhaupt nicht, an einzelnen Tagen, an mehr als der Hälfte der Tage. Keine Frage wird umgekehrt gezählt. Die Fragen 7, 9, 11 und 13 bis 16 gehen in keine Auswertung ein.
| Ergebnis | Fragen | Rechnung | Werte |
|---|---|---|---|
| Depressivität | 2a bis 2i | Summe der Punkte | 0 bis 27 |
| Somatische Symptome | 1a bis 1m, 2c, 2d | Summe der Punkte; die Fragen 2c und 2d zählen höchstens 2 Punkte | 0 bis 30 |
| Stress | 12a bis 12j | Summe der Punkte | 0 bis 20 |
| Somatoformes Syndrom | 1a bis 1m | mindestens drei Fragen mit "stark beeinträchtigt" und keine ausreichende organische Ursache | vorhanden, nicht vorhanden |
| Major Depressives Syndrom | 2a bis 2i | mindestens fünf gezählte Fragen, darunter 2a oder 2b | vorhanden, nicht vorhanden |
| Andere Depressive Syndrome | 2a bis 2i | zwei bis vier gezählte Fragen, darunter 2a oder 2b | vorhanden, nicht vorhanden |
| Paniksyndrom | 3a bis 3d, 4a bis 4k | alle vier Fragen 3a bis 3d mit Ja und mindestens vier der Fragen 4a bis 4k mit Ja | vorhanden, nicht vorhanden |
| Andere Angstsyndrome | 5a bis 5g | Frage 5a und mindestens drei der Fragen 5b bis 5g mit "an mehr als der Hälfte der Tage" | vorhanden, nicht vorhanden |
| V. a. Bulimia nervosa | 6a bis 6c, 8 | die Fragen 6a, 6b, 6c und 8 mit Ja | vorhanden, nicht vorhanden |
| V. a. Binge-Eating-Störung | 6a bis 6c, 8 | die Fragen 6a, 6b und 6c mit Ja, Frage 8 mit Nein oder nicht beantwortet | vorhanden, nicht vorhanden |
| Alkoholsyndrom | 10a bis 10e | mindestens eine Frage mit Ja | vorhanden, nicht vorhanden |
Für die beiden depressiven Syndrome gezählt werden die Fragen 2a bis 2h ab 2 Punkten und Frage 2i ab 1 Punkt.
Technischer Hinweis: Die Plattform prüft beim Somatoformen Syndrom nur, ob mindestens drei der Fragen 1a bis 1m mit "stark beeinträchtigt" beantwortet sind. Ob eine ausreichende organische Ursache fehlt, fragt der Bogen nicht ab; "vorhanden" heißt auf der Plattform, dass diese Zahl erreicht ist. Fehlt in der Papierfassung eine Antwort, zählt die Plattform sie mit 0 Punkten. Die Summenwerte sind dann die Summe der Punkte der beantworteten Fragen; in den Syndromen zählt die Frage wie Nein oder wie eine nicht erreichte Schwelle.
Interpretation
Die Syndrome prüfen Kriterien, die Summen messen die Stärke der Beschwerden
Der PHQ-D liefert zwei Arten von Ergebnissen, die verschiedene Fragen beantworten. Die acht Syndrome prüfen, ob die Antworten den Kriterien einer Störungsgruppe entsprechen: Sie zählen, wie viele Beschwerden eine bestimmte Schwelle erreichen, etwa "an mehr als der Hälfte der Tage" oder "stark beeinträchtigt", oder ob bestimmte Fragen mit Ja beantwortet sind. Die drei Summen für Depressivität, Somatische Symptome und Stress addieren dagegen alle Antworten eines Bereichs und zeigen, wie stark die Beschwerden insgesamt sind.
Beide Ergebnisse können deshalb auseinanderlaufen. Ein Beispiel aus der Hausarztpraxis: Jemand kreuzt Interessenverlust, Schlafstörungen und Müdigkeit mit "beinahe jeden Tag" an, bei den übrigen depressiven Beschwerden "überhaupt nicht". Die Depressivität liegt mit 9 Punkten nur in der milden Stufe, das Andere Depressive Syndrom ist trotzdem erfüllt, weil drei Beschwerden häufig auftreten und ein Kernsymptom dabei ist. Gibt dieselbe Person außerdem drei körperliche Beschwerden als "stark beeinträchtigend" an und beantwortet eine der Alkoholfragen mit Ja, ergeben sich zusätzlich das Somatoforme Syndrom und das Alkoholsyndrom. Dieses Beispiel zieht sich durch die folgenden Abschnitte.
| Syndrom | erfüllt, wenn | Kriterien | ICD-10 |
|---|---|---|---|
| Somatoformes Syndrom | mindestens 3 der 13 körperlichen Beschwerden (Frage 1) "stark beeinträchtigt" und keine ausreichende organische Ursache | Teil | F45.0, F45.1, F45.3 |
| Major Depressives Syndrom | mindestens 5 der 9 depressiven Beschwerden (Frage 2) an mehr als der Hälfte der Tage, darunter Interessenverlust oder Niedergeschlagenheit; Frage 2i zählt schon an einzelnen Tagen | vollständig | F32, F33 |
| Andere Depressive Syndrome | 2 bis 4 solcher Beschwerden, sonst wie oben | Teil | F32.9, F33.9, F34.1 |
| Paniksyndrom | alle 4 Fragen zu Angstanfällen (Frage 3) und mindestens 4 der 11 Körpersymptome beim letzten Anfall (Frage 4) mit Ja | vollständig | F41.0, F40.01 |
| Andere Angstsyndrome | Nervosität oder Anspannung und mindestens 3 der 6 weiteren Angstbeschwerden (Frage 5) an mehr als der Hälfte der Tage | Teil | F41.1, F41.9 |
| V. a. Bulimia nervosa | Essanfälle mit Kontrollverlust mindestens zweimal pro Woche (Frage 6) und gegensteuernde Maßnahmen ebenso oft (Frage 8) | vollständig | F50.2 |
| V. a. Binge-Eating-Störung | Essanfälle wie oben, Frage 8 mit Nein beantwortet oder offen gelassen | Teil | F50.9 |
| Alkoholsyndrom | mindestens eine der 5 Fragen zu problematischem Trinken in den letzten 6 Monaten (Frage 10) mit Ja | Teil | F10.1, F10.2 |
Eine Frage zählt in keiner Auswertung mit: Frage 11 erfasst, wie sehr die Beschwerden Arbeit, Haushalt und Kontakte erschweren. Die Kurzanleitung liest sie als Hinweis auf den Schweregrad und darauf, ob eine Behandlung nötig ist.
Ein Syndrom ist ein Befund im Bogen, die Störung sichert erst das Gespräch
Das Manual spricht bewusst von Syndromen: Der Bogen stützt sich allein auf Selbstangaben und erfragt nicht alles, was eine Diagnose verlangt. Vor der Diagnose einer depressiven Störung sind eine einfache Trauerreaktion, eine manische Episode in der Vorgeschichte und körperliche Erkrankungen, Medikamente oder Drogen als Ursache auszuschließen; bei Angst gilt dasselbe für körperliche Ursachen und Substanzen.
Wie weit ein Syndrom trägt, hängt davon ab, ob der Bogen alle Kriterien abfragt. Für Major Depression, Panikstörung und Bulimia nervosa tut er das. Für die übrigen fünf Syndrome fragt er nur einen Teil ab; sie sind deshalb eher ein Anlass, nachzufragen, als ein Befund (Gräfe et al., 2004). Zwei davon verdienen besondere Aufmerksamkeit:
- Beim Somatoformen Syndrom gehört zur Regel, dass keine ausreichende organische Ursache vorliegt. Danach fragt der Bogen nicht. Erfüllt ist im Bogen also nur der erste Teil: drei stark beeinträchtigende körperliche Beschwerden. Ob sie organisch erklärt sind, klärt erst die ärztliche Untersuchung. Für das Beispiel heißt das: Das Somatoforme Syndrom sagt noch nichts darüber, ob eine somatoforme Störung vorliegt.
- Für das Alkoholsyndrom genügt ein einziges Ja. Die Regel ist so weit gefasst, dass sie schädlichen Gebrauch und Abhängigkeit gleichermaßen anzeigt; welches von beiden vorliegt oder ob keines, unterscheidet sie nicht.
Wie oft ein Syndrom zutrifft, hängt von der Einrichtung ab
Die deutsche Validierungsstudie hat die Syndrome mit einem klinischen Interview verglichen, in Hausarztpraxen und medizinischen Ambulanzen und in einer psychosomatischen Ambulanz. Für den einzelnen Befund zählt vor allem, wie viele der Personen mit einem Syndrom die Störung im Interview tatsächlich hatten:
- Major Depressives Syndrom: knapp 5 von 10 in den medizinischen Einrichtungen, gut 6 von 10 in der psychosomatischen Ambulanz.
- Paniksyndrom: 6 von 10 und knapp 7 von 10.
- Alkoholsyndrom: etwa 1 von 4 in den medizinischen Einrichtungen, etwa 7 von 10 in der psychosomatischen Ambulanz.
Der Unterschied liegt vor allem daran, wie häufig die Störung in der Einrichtung ist: Eine Major Depression hatten in den medizinischen Einrichtungen 6 von 100 Personen, in der psychosomatischen Ambulanz 29 von 100; Alkoholmissbrauch 2 und 8 von 100. Je seltener eine Störung ist, desto öfter ist ein Syndrom ein Fehlalarm. Für die Person aus dem Beispiel, die aus einer Hausarztpraxis kommt, ist das Alkoholsyndrom deshalb vor allem ein Anlass für das Gespräch über ihr Trinken.
Umgekehrt ist ein fehlendes Syndrom in den medizinischen Einrichtungen recht verlässlich: Ergab der Bogen kein Major Depressives Syndrom, hatten dort 1 von 100 trotzdem eine Major Depression, in der psychosomatischen Ambulanz 11 von 100. Das liegt auch daran, dass dort wenige eine Major Depression haben. Einen Teil der Betroffenen übersieht der Bogen in beiden Einrichtungen: Das Paniksyndrom fand etwa 7 von 10 Menschen mit Panikstörung, das Alkoholsyndrom etwa 6 von 10 Menschen mit Alkoholmissbrauch.
Schlaf und Müdigkeit zählen in zwei Summen
Die Depressivität entspricht dem Patient Health Questionnaire 9 (PHQ-9), die Somatischen Symptome dem Patient Health Questionnaire 15 (PHQ-15). Wie man diese beiden Summen liest, mit Screening-Grenzen, Vergleichsgruppen und bedeutsamer Veränderung, steht auf deren Seiten.
Für das Lesen im PHQ-D ist eines wichtig: Die Fragen zu Schlafstörungen und Müdigkeit gehen in beide Summen ein. In den Somatischen Symptomen zählen sie höchstens 2 Punkte, auch wenn jemand "beinahe jeden Tag" ankreuzt. Wer schlecht schläft und erschöpft ist, liegt deshalb in beiden Summen höher, ohne dass zwei verschiedene Probleme vorliegen müssen. Im Beispiel stammen 6 der 9 Punkte der Depressivität und 4 Punkte der Somatischen Symptome aus diesen zwei Fragen.
Die Stufen beider Summen stammen aus den amerikanischen Originalstudien. Bei den Somatischen Symptomen nahmen dort mit jeder Stufe die Einschränkungen im Alltag, die Krankheitstage und die Arztbesuche zu; für die deutsche Fassung geprüft sind diese Stufen nicht.
| Summe | Punkte | Stufe |
|---|---|---|
| Depressivität | 0 bis 4 | Minimale depressive Symptomatik |
| Depressivität | 5 bis 9 | Milde depressive Symptomatik |
| Depressivität | 10 bis 14 | Mittelgradige depressive Symptomatik |
| Depressivität | 15 bis 19 | Ausgeprägte depressive Symptomatik |
| Depressivität | 20 bis 27 | Schwerste depressive Symptomatik |
| Somatische Symptome | 0 bis 4 | Normal- bis minimale somatische Symptomstärke/ Somatisierung |
| Somatische Symptome | 5 bis 9 | Milde somatische Symptomstärke/Somatisierung |
| Somatische Symptome | 10 bis 14 | Mittelgradig ausgeprägte Symptomstärke/Somatisierung |
| Somatische Symptome | 15 bis 30 | Schwer ausgeprägte Symptomstärke/Somatisierung |
Den Stresswert liest man Frage für Frage
Die zehn Fragen zum Stress erfassen sehr verschiedene Belastungen: Sorgen um Gesundheit und Gewicht, fehlende sexuelle Lust, Schwierigkeiten in der Partnerschaft, die Versorgung von Angehörigen, Stress bei der Arbeit, Geldsorgen, fehlende Unterstützung, ein schlimmes Ereignis vor kurzem und belastende Erinnerungen an frühere Ereignisse. Jede zählt 0 bis 2 Punkte, die Summe reicht von 0 bis 20. Das Manual versteht die Fragen als Hinweise darauf, was eine psychische Störung ausgelöst haben oder aufrechterhalten könnte.
Belegte Grenzen oder Vergleichswerte für den Stresswert sind nicht bekannt. Eine Studie an der deutschen Allgemeinbevölkerung bestätigt zwar, dass sich die Fragen zu einem Gesamtwert zusammenfassen lassen, doch einige hängen nur schwach mit den übrigen zusammen (Petrowski et al., 2024). Die Summe fasst also Belastungen zusammen, die wenig miteinander zu tun haben; mehr sagt, welche Fragen jemand bejaht hat.
Die Kurzanleitung liest einige Fragen einzeln: Bleiben Sorgen um die Gesundheit auch nach einem aufklärenden Gespräch unrealistisch, ist an eine Hypochondrie zu denken; Sorgen um Gewicht und Aussehen können je nach Körpergewicht auf eine Essstörung hinweisen, bei einem eingebildeten Makel auf eine körperdysmorphe Störung; fehlende sexuelle Lust auf eine sexuelle Funktionsstörung oder eine affektive Störung; Erinnerungen an schreckliche Ereignisse auf eine posttraumatische Belastungsstörung.
Jeder Abschnitt fragt nach seinem eigenen Zeitraum
Die Abschnitte des Bogens beziehen sich auf verschiedene Zeiträume: die depressiven Beschwerden auf die letzten 2 Wochen, die körperlichen Beschwerden, die Angst und den Stress auf die letzten 4 Wochen, das Essverhalten auf die letzten 3 Monate und das problematische Trinken auf die letzten 6 Monate. Die Summe der Somatischen Symptome mischt deshalb zwei Zeiträume: 13 Beschwerden der letzten 4 Wochen und Schlaf und Müdigkeit der letzten 2 Wochen.
Geprüft ist der deutsche Bogen an Erwachsenen in Heidelberger Hausarztpraxen, internistischen Ambulanzen und einer psychosomatischen Ambulanz (mittleres Alter 42 Jahre). Wer die Teilnahme ablehnte oder den Bogen nicht ausfüllen konnte, war im Mittel älter (55 gegen 43 Jahre). Die Studie nennt das selbst als Einschränkung: Für ältere Patientinnen und Patienten sind ihre Zahlen weniger sicher.
Auf der Plattform
Die Plattform zeigt die drei Summen mit ihren Stufen und die acht Syndrome als "vorhanden" oder "nicht vorhanden". Screening-Grenzen und Vergleichswerte der Depressivität und der Somatischen Symptome zeigt sie nicht; sie stehen auf den Seiten von PHQ-9 und PHQ-15. Die Hinweise der Kurzanleitung zu einzelnen Stressfragen wertet sie nicht aus.
Den Stresswert ordnet die Plattform vier Stufen zu: 0 bis 3 Punkte "Minimal ausgeprägte psychosoziale Stressfaktoren", 4 bis 8 "Mild ausgeprägte psychosoziale Stressfaktoren", 9 bis 13 "Mittelgradig ausgeprägte psychosoziale Stressfaktoren" und 14 bis 20 "Schwer ausgeprägte psychosoziale Stressfaktoren". Woher diese Grenzen stammen, ist nicht bekannt.
In der Legende des Liniendiagramms steht hinter jeder Stufe, wo sie beginnt und wo die nächste beginnt. "(5-10)" bedeutet also 5 bis 9 Punkte.
Frage 14, eine offene Frage nach der größten aktuellen Belastung, fehlt in der Papierfassung, weil Papierfassungen auf der Plattform keine Freitexte aufnehmen.
Gütekriterien
Kurz: Das Major Depressive Syndrom und das Paniksyndrom schlagen bei Menschen ohne diese Störung selten an (Spezifität 94 und 98 % in Hausarztpraxen und medizinischen Ambulanzen) und finden die meisten Betroffenen (Sensitivität 86 und 73 %). Drei Punkte sollte man kennen: Wo eine Störung selten ist, ist ein Syndrom oft ein Fehlalarm, beim Alkoholsyndrom in den medizinischen Einrichtungen in drei von vier Fällen. Für das Somatoforme Syndrom gibt es keine Kennwerte, weil die Studie organische Ursachen nicht abklären konnte. Und für den Stresswert sind keine belegten Grenzen bekannt.
| Kennwert | Ergebnis | Stichprobe |
|---|---|---|
| Irgendein Syndrom, irgendeine psychische Störung | Sensitivität 77 / 85 %, Spezifität 83 / 70 %, positiver Vorhersagewert 56 / 85 % | medizinisch / psychosomatisch |
| Depressive Syndrome, depressive Störungen insgesamt | Sensitivität 75 / 78 %, Spezifität 90 / 71 %, positiver Vorhersagewert 57 / 71 % | medizinisch / psychosomatisch |
| Major Depressives Syndrom, Major Depression | Sensitivität 86 / 78 %, Spezifität 94 / 80 %, positiver Vorhersagewert 47 / 63 % | medizinisch / psychosomatisch |
| Angstsyndrome, Angststörungen insgesamt | Sensitivität 67 / 71 %, Spezifität 94 / 71 %, positiver Vorhersagewert 41 / 45 % | medizinisch / psychosomatisch |
| Paniksyndrom, Panikstörung | Sensitivität 73 / 73 %, Spezifität 98 / 92 %, positiver Vorhersagewert 60 / 67 % | medizinisch / psychosomatisch |
| Essstörungen insgesamt | Sensitivität 58 / 68 %, Spezifität 94 / 89 %, positiver Vorhersagewert 24 / 49 % | medizinisch / psychosomatisch |
| Alkoholsyndrom, Alkoholmissbrauch | Sensitivität 57 / 62 %, Spezifität 96 / 98 %, positiver Vorhersagewert 24 / 73 % | medizinisch / psychosomatisch |
| Somatoformes Syndrom | nicht berechnet, weil organische Ursachen in der Studie nicht abgeklärt wurden | |
| Interne Konsistenz, Stress | ω = .78 | 2.396 Personen der Allgemeinbevölkerung |
Durchführung und Auswertung folgen festen Regeln, die Syndrome mit festgelegten Algorithmen oder Schablonen. Die Kennwerte der Depressivität und der Somatischen Symptome, auch ihre Normwerte, stehen auf den Seiten von PHQ-9 und PHQ-15.
Quellen
Literatur
- Gräfe, K., Zipfel, S., Herzog, W. & Löwe, B. (2004). Screening psychischer Störungen mit dem „Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-D)“: Ergebnisse der deutschen Validierungsstudie. Diagnostica, 50(4), 171-181. https://doi.org/10.1026/0012-1924.50.4.171
- Kroenke, K., Spitzer, R. L. & Williams, J. B. W. (2001). The PHQ-9: Validity of a brief depression severity measure. Journal of General Internal Medicine, 16(9), 606-613. https://doi.org/10.1046/j.1525-1497.2001.016009606.x
- Kroenke, K., Spitzer, R. L. & Williams, J. B. W. (2002). The PHQ-15: Validity of a new measure for evaluating the severity of somatic symptoms. Psychosomatic Medicine, 64(2), 258-266. https://doi.org/10.1097/00006842-200203000-00008
- Löwe, B., Spitzer, R. L., Zipfel, S. & Herzog, W. (2002). Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-D). Manual, Komplettversion und Kurzform (2. Aufl.). Pfizer.
- Petrowski, K., Schmalbach, B., Tibubos, A., Brähler, E. & Löwe, B. (2024). Psychometric evaluation of the Patient Health Questionnaire stress scale. Journal of Affective Disorders, 357, 37-41. https://doi.org/10.1016/j.jad.2024.04.089
- Spitzer, R. L., Kroenke, K. & Williams, J. B. W. (1999). Validation and utility of a self-report version of PRIME-MD: The PHQ primary care study. JAMA, 282(18), 1737-1744. https://doi.org/10.1001/jama.282.18.1737
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