HEALTH-49

Hamburger Module zur Erfassung allgemeiner Aspekte psychosozialer Gesundheit für die therapeutische Praxis

  • Digital (verfügbar)
  • Papier (verfügbar)
Themen
  • Allgemeine Symptombelastung
  • Depression
  • Psychosomatische Beschwerden
Dauer
circa 10 bis 15 Minuten
Altersgruppe
  • Erwachsene
Sprachen
  • Deutsch
Autorenschaft
© Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Rabung, S., Harfst, T., Koch, U. & Schulz, H. (2007)

Kurzbeschreibung

Die Hamburger Module zur Erfassung allgemeiner Aspekte psychosozialer Gesundheit für die therapeutische Praxis (HEALTH-49) sind ein Fragebogen zur Selbstbeurteilung, der psychosoziale Gesundheit in mehreren Bereichen zugleich erfasst: psychische und somatoforme Beschwerden, Wohlbefinden, Schwierigkeiten im Kontakt mit anderen, Selbstwirksamkeit, Aktivität und Teilhabe sowie Unterstützung und Belastung durch das soziale Umfeld. Er gibt einen breiten Befund für Diagnostik und Therapieplanung und unterstützt bei wiederholtem Einsatz die Evaluation und Qualitätssicherung psychotherapeutischer und medizinischer Behandlungen.

Der Fragebogen ist störungsübergreifend angelegt. Bereiche, für die sonst mehrere Fragebögen zu einer Testbatterie kombiniert werden, fasst er in einem Bogen mit einheitlichem Antwortformat zusammen, und neben Beschwerden berücksichtigt er auch Ressourcen sowie Aktivität und Teilhabe. Seine 49 Fragen verteilen sich auf sechs Module mit neun Skalen: Modul A zu psychischen und somatoformen Beschwerden mit den Skalen Somatoforme Beschwerden, Depressivität und Phobische Ängste, die Module B bis E mit je einer Skala zu Psychischem Wohlbefinden, Interaktionellen Schwierigkeiten, Selbstwirksamkeit sowie Aktivität und Partizipation und Modul F mit den getrennten Skalen Soziale Unterstützung und Soziale Belastung. Einen Gesamtwert gibt es für die Beschwerden aus Modul A. Die Plattform wertet jede Skala als Mittelwert ihrer Fragen aus und ordnet die neun Skalenwerte und den Gesamtwert jeweils über einen Cut-off ein, also danach, ob der Wert unter oder über dem Grenzwert liegt.

Entwickelt wurde der Fragebogen von einer Arbeitsgruppe um Rabung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, um psychosoziale Gesundheit umfassend, unabhängig von einem bestimmten Behandlungskontext und mit wenig Aufwand zu erfassen. Der HEALTH-49 ist die gekürzte Fassung des ursprünglichen HEALTH mit 79 Fragen. Geprüft wurde er an Patientinnen und Patienten aus Hausarztpraxen und aus Fachkliniken für psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Bei den stationär behandelten Patientinnen und Patienten sprachen seine Skalen stärker auf Veränderungen an als die entsprechenden Skalen der SCL-14 und des IIP-25, sodass er sich für die Verlaufsmessung eignet. In der psychosomatischen Rehabilitation wurde er schon bei seiner Prüfung im Qualitätssicherungsprogramm der gesetzlichen Krankenversicherung eingesetzt, und Kliniken nutzen ihn in der Routinedokumentation, um das Behandlungsergebnis zwischen Aufnahme und Entlassung zu erfassen. Die S2k-Leitlinie zur Rehabilitation nach COVID-19 nennt ihn in ihrer Auswahl von Screening-Fragebögen für psychische Begleiterkrankungen.

Auswertung

Die Auswertung übernimmt die Plattform automatisch. Zum Nachprüfen steht hier, wie der Test nach Manual ausgewertet wird.

Die 49 Fragen sind wie im Bogen mit dem Buchstaben ihres Moduls (A bis F) und ihrer Nummer im Modul bezeichnet. Jede Frage wird mit 0 bis 4 Punkten bewertet, in der Reihenfolge der fünf Antwortmöglichkeiten auf dem Bogen. Sie heißen in Modul A, Modul C und bei E3 und E4: nicht, wenig, mittel, ziemlich, sehr; in Modul B, bei E1, E2, E5, E6 und in Modul F: nie, selten, gelegentlich, oft, immer; in Modul D: stimmt nicht, stimmt wenig, stimmt mittelmäßig, stimmt ziemlich, stimmt sehr. Umgekehrt gezählt heißt 4 minus Punktwert. Jede Skala ist der Mittelwert ihrer Fragen, also die Summe der Punkte geteilt durch die Zahl der Fragen der Skala, und liegt zwischen 0 und 4.

Skala Fragen Umgekehrt gezählt
Somatoforme Beschwerden A3, A7, A9, A12, A13, A15, A17 keine
Depressivität A2, A4, A6, A8, A11, A14 keine
Phobische Ängste A1, A5, A10, A16, A18 keine
Gesamtwert A1 bis A18 keine
Psychisches Wohlbefinden B1 bis B5 alle
Interaktionelle Schwierigkeiten C1 bis C7 keine
Selbstwirksamkeit D1 bis D5 alle
Aktivität und Partizipation E1 bis E6 keine
Soziale Unterstützung F2, F4, F6, F8 alle
Soziale Belastung F1, F3, F5, F7 keine

Technischer Hinweis: Fehlen auf dem Papierbogen Antworten, teilt die Plattform die Summe einer Skala durch die Zahl der beantworteten Fragen dieser Skala. Für diesen Fall nennt das Manual keine Regel; sind alle Fragen beantwortet, ergibt sich derselbe Wert wie nach Manual.

Interpretation

Jeder Wert ist eine durchschnittliche Antwort, und höher heißt auf jeder Skala belasteter

Alle Werte des HEALTH-49 sind Mittelwerte der Antworten von 0 bis 4. Ein Wert lässt sich deshalb als durchschnittliche Antwort lesen: 1,0 entspricht bei den Beschwerden "wenig", 2,0 "mittel", 3,0 "ziemlich".

Drei Skalen fragen nach Positivem: Psychisches Wohlbefinden, Selbstwirksamkeit und Soziale Unterstützung. Sie werden umgepolt, damit ein höherer Wert auf allen Skalen mehr Belastung bedeutet. Ein hoher Wert bei Psychischem Wohlbefinden heißt also wenig Wohlbefinden: 3,0 entspricht der Antwort, sich im Mittel nur "selten" so zu fühlen, wie die Aussagen es beschreiben.

Der Gesamtwert fasst nur die 18 Fragen zu Beschwerden aus Modul A zusammen, also Somatoforme Beschwerden, Depressivität und Phobische Ängste. Einen Wert über alle Module gibt es nicht, weil die Bereiche inhaltlich zu verschieden sind. Aus demselben Grund bleiben Soziale Unterstützung und Soziale Belastung getrennt, obwohl sie im selben Modul stehen.

Modul Skala Fragen Antworten Zeitraum
A Somatoforme Beschwerden 7 nicht bis sehr letzte zwei Wochen
A Depressivität 6 nicht bis sehr letzte zwei Wochen
A Phobische Ängste 5 nicht bis sehr letzte zwei Wochen
A Gesamtwert 18 nicht bis sehr letzte zwei Wochen
B Psychisches Wohlbefinden (umgepolt) 5 nie bis immer letzte zwei Wochen
C Interaktionelle Schwierigkeiten 7 nicht bis sehr letzte zwei Wochen
D Selbstwirksamkeit (umgepolt) 5 stimmt nicht bis stimmt sehr letzte zwei Wochen
E Aktivität und Partizipation 6 nie bis immer, zwei Fragen nicht bis sehr letzte zwei Wochen
F Soziale Unterstützung (umgepolt) 4 nie bis immer ohne Zeitangabe
F Soziale Belastung 4 nie bis immer ohne Zeitangabe

Ein Gesamtwert von 2,0 heißt also: Die Beschwerden aus Modul A waren im Mittel mittelstark.

Die Grenze trennt Gesunde aus Hausarztpraxen von stationär behandelten Patientinnen und Patienten

Jede Skala hat eine Grenze, und ein Wert liegt entweder "Kleiner als Cut-off" oder "Größer als Cut-off". Die Grenzen stammen aus zwei Gruppen: Hausarztpatientinnen und -patienten, die ihre Hausärztin oder ihr Hausarzt in allen beurteilten Bereichen als gesund einschätzte, und Patientinnen und Patienten bei Aufnahme in die stationäre psychosomatische Rehabilitation. Die Grenze liegt jeweils zwischen den Mitteln beider Gruppen.

"Größer als Cut-off" heißt deshalb: Der Wert ähnelt eher dem, was stationär behandelte Patientinnen und Patienten angeben, als dem, was Gesunde angeben. Die Grenze ordnet einem Belastungsniveau zu und nicht einer Störung; gegen ein klinisches Interview wurde der HEALTH-49 nicht geprüft (Rabung et al., 2009).

Patientinnen und Patienten aus Hausarztpraxen, die körperlich oder psychisch krank sind, liegen im Mittel teils über, teils unter der Grenze, bei Selbstwirksamkeit (1,40 gegen 1,364) und Sozialer Belastung (1,37 gegen 1,368) fast genau auf ihr. Für sie trennt die Grenze also wenig. Für die Frage, ob eine Belastung eher der in Hausarztpraxen oder der in stationärer Behandlung entspricht, enthalten die Referenzdaten deshalb einen zweiten Satz Grenzen zwischen allen Hausarztpatientinnen und -patienten und stationär behandelten. Diese Grenzen liegen bei jeder Skala höher, beim Gesamtwert bei 0,895 statt 0,685, bei Depressivität bei 0,907 statt 0,660.

Ein Gesamtwert von 2,0 liegt weit über der Grenze von 0,685 und auch über dem Mittel der stationär behandelten Patientinnen und Patienten (1,45).

Grenzen und Mittelwerte nach Rabung et al. (2016), deutsche Fassung. Gesunde: 2.284 Hausarztpatientinnen und -patienten (DETECT-Studie, 2004). Krank in der Hausarztpraxis: 843 Hausarztpatientinnen und -patienten mit körperlicher oder psychischer Erkrankung aus derselben Studie. Stationär: 1.523 Patientinnen und Patienten aus 12 Kliniken der psychosomatischen Rehabilitation bei Aufnahme (2005 bis 2006). Gesetzt ist die Grenze zwischen den Gesunden und den stationär behandelten Patientinnen und Patienten.
Skala Grenze Gesunde Krank in der Hausarztpraxis Stationär
Somatoforme Beschwerden 0,987 0,62 1,37 1,59
Depressivität 0,660 0,21 0,77 1,83
Phobische Ängste 0,255 0,10 0,50 0,79
Gesamtwert 0,685 0,34 0,93 1,45
Psychisches Wohlbefinden 1,821 1,09 1,68 2,60
Interaktionelle Schwierigkeiten 1,000 0,50 0,87 1,90
Selbstwirksamkeit 1,364 0,69 1,40 2,24
Aktivität und Partizipation 1,136 0,57 1,50 1,93
Soziale Unterstützung 1,499 1,30 1,41 1,67
Soziale Belastung 1,368 1,02 1,37 1,76

Derselbe Wert bedeutet je nach Skala etwas anderes

Weil Gesunde auf den Skalen sehr unterschiedlich hoch liegen, liegen auch die Grenzen weit auseinander. Ein Wert von 1,0 liegt bei Depressivität über der Grenze und ist unter Gesunden selten (Prozentrang 96). Bei Psychischem Wohlbefinden liegt derselbe Wert unter der Grenze und unter Gesunden im Mittelfeld (Prozentrang 60): Auch Gesunde geben nicht durchgehend volles Wohlbefinden an.

Am niedrigsten liegt die Grenze bei Phobischen Ängsten (0,255). Viele geben dort gar keine Beschwerden an: In den Hausarztpraxen beantworteten 71 von 100 alle fünf Fragen mit "nicht", in der stationären Rehabilitation immer noch 34 von 100. Die Grenze liegt deshalb dicht über null. Kreuzt jemand bei zwei der fünf Fragen "wenig" an, ergibt das 0,4 und damit "Größer als Cut-off". Das zeigt, dass überhaupt phobische Ängste angegeben werden, nicht, dass sie stark sind; unter stationär behandelten Patientinnen und Patienten liegt 0,4 etwa in der Mitte (Prozentrang 49).

Wo ein Wert innerhalb einer Gruppe liegt, zeigen die Prozentränge; sie ordnen feiner ein als die Grenze. Die Referenzdaten haben Tabellen mit Prozentrang und T-Wert für alle vier Gruppen. Der Gesamtwert von 2,0 hat unter Gesunden den Prozentrang 100, unter den Kranken in der Hausarztpraxis 92 und unter stationär behandelten Patientinnen und Patienten bei Aufnahme 77: Er ist auch für die stationäre Rehabilitation hoch. Die T-Werte der Hausarztgruppen reichen weit über 80 hinaus, bei Phobischen Ängsten bis 193, weil die Werte dort sehr schief verteilt sind; für diese Gruppen ist der Prozentrang die anschaulichere Angabe.

Wie sicher ein Wert über der Grenze ist, hängt von der Skala ab

Die Beschwerdeskalen unterscheiden Gesunde und psychisch Kranke gut, die sozialen Skalen deutlich schlechter. Zieht man aus den Studien je eine gesunde und eine psychisch kranke Person, hat die kranke Person bei Depressivität in 91 von 100 solcher Paare den höheren Wert, beim Gesamtwert ebenfalls in 91, im Mittel aller Skalen in 82. Bei Sozialer Belastung sind es 74, bei Sozialer Unterstützung nur 62; 50 entspräche dem Zufall. Ein Wert von 1,5 bei Sozialer Unterstützung liegt über der Grenze, ist aber auch unter Gesunden üblich (Prozentrang 69). Für sich allein ist er kaum ein Hinweis auf eine Belastung.

In den Hausarztpraxen schätzten die Hausärztinnen und Hausärzte ein, wer gesund und wer psychisch krank war, ohne strukturiertes Interview. Die Zahlen gelten also für eine Unterscheidung, die selbst unsicher ist.

Kaum unterscheiden die Skalen, ob jemand in der Hausarztpraxis oder stationär behandelt wird (im Mittel in 63 von 100 Paaren). Am ehesten gelingt das mit Interaktionellen Schwierigkeiten und Depressivität (je 71), bei Somatoformen Beschwerden und Phobischen Ängsten kaum (54). Ein hoher Wert zeigt deshalb, wie belastet jemand ist, aber kaum, ob die Belastung eher der in Hausarztpraxen oder der in stationärer Behandlung entspricht.

Für das Profil gilt außerdem:

  • Die Skalen hängen untereinander mäßig zusammen (im Mittel r = .38), am stärksten Depressivität mit den anderen. Ein hoher Wert bei Depressivität geht deshalb oft mit erhöhten Werten auf anderen Skalen einher.
  • Die Einteilung in neun Skalen ließ sich in der Bestätigungsanalyse nicht abschließend bestätigen.
  • Psychisches Wohlbefinden, Selbstwirksamkeit, Aktivität und Partizipation sowie die beiden sozialen Skalen wurden noch nicht an Kriterien geprüft, die ihrem Inhalt nahestehen. Belegt ist bisher vor allem, dass Psychisches Wohlbefinden, Selbstwirksamkeit sowie Aktivität und Partizipation eng mit dem allgemeinen psychischen Befinden zusammenhängen (r = .64 bis .68 mit der psychischen Summenskala des SF-8). Wie genau sie das Eigene ihrer Skala erfassen, ist offen.
  • Die Fragen zur Selbstwirksamkeit setzen Beschwerden voraus. Menschen ohne Beschwerden lassen sie deshalb öfter aus (in den Hausarztpraxen 11 von 100 Antworten), und ein Wert ist bei ihnen schwer zu deuten.

Im Verlauf zählt die kritische Differenz der Skala

Für wiederholte Messungen nennen die Referenzdaten je Skala eine kritische Differenz (Reliable Change Index). Eine Veränderung mindestens dieser Größe lässt sich mit Messfehlern kaum erklären. Die Skalen brauchen dafür unterschiedlich viel: Beim Gesamtwert genügt eine Änderung um sechs Antwortstufen über die 18 Fragen, bei Sozialer Unterstützung sind es fünf Stufen über nur vier Fragen.

Sinkt der Gesamtwert von 2,0 auf 1,67, ist das eine verlässliche Verbesserung (0,33 gegen 0,317); bei 1,72 ist sie es noch nicht. Sinkt er bis unter die Grenze, etwa auf 0,67, hat er sich verlässlich verändert und ähnelt danach eher den Gesunden als den stationär behandelten Patientinnen und Patienten. Die Referenzdaten fassen beides als statistische und klinische Signifikanz zusammen: Die kritische Differenz beantwortet, ob sich der Wert verändert hat, die Grenze, ob er danach eher bei den Gesunden liegt.

Wie stark sich eine Skala während einer Behandlung verändert, ist verschieden. In der stationären Rehabilitation besserte sich Psychisches Wohlbefinden am stärksten (um mehr als eine Standardabweichung), sechs der neun Skalen und der Gesamtwert mindestens mittelstark. Soziale Unterstützung und Soziale Belastung veränderten sich kaum; sie beschreiben eher das Umfeld als die Person. Bleiben sie gleich, spricht das nicht gegen einen Behandlungserfolg. Phobische Ängste veränderten sich wenig, weil sie schon bei Aufnahme niedrig lagen.

Kritische Differenzen nach Rabung et al. (2016), aus denselben Gruppen wie die Grenzen. Die Antwortstufen gelten für eine vollständig beantwortete Skala: so viele Stufen muss sich die Summe der Antworten mindestens ändern.
Skala Kritische Differenz Antwortstufen
Somatoforme Beschwerden 0,668 5
Depressivität 0,373 3
Phobische Ängste 0,321 2
Gesamtwert 0,317 6
Psychisches Wohlbefinden 0,628 4
Interaktionelle Schwierigkeiten 0,497 4
Selbstwirksamkeit 0,588 3
Aktivität und Partizipation 0,674 5
Soziale Unterstützung 1,021 5
Soziale Belastung 0,973 4

Auf der Plattform

Die Plattform zeigt die zehn Werte mit "Kleiner als Cut-off" oder "Größer als Cut-off" nach den Grenzen gegen die Gesunden. Die Mittel der Vergleichsgruppen, die Prozentränge, die kritischen Differenzen und den zweiten Satz Grenzen zeigt sie nicht; dafür sind die Tabellen oben da.

Ein Wert genau auf der Grenze gilt als "Größer als Cut-off". Das betrifft praktisch nur Interaktionelle Schwierigkeiten mit 1,0, etwa wenn alle sieben Fragen mit "wenig" beantwortet sind.

Beim Papierbogen teilt die Plattform bei fehlenden Antworten durch die Zahl der beantworteten Fragen, ohne Höchstzahl fehlender Antworten. Ein Skalenwert kann dort also auf einer einzigen Antwort beruhen. In der digitalen Fassung sind alle Fragen zu beantworten. Psychisches Wohlbefinden, Selbstwirksamkeit und Soziale Unterstützung polt die Plattform beim Papierbogen schon beim Erfassen um; in der Rechnung stehen deshalb die umgepolten Punkte und nicht die angekreuzten Ziffern.

Gütekriterien

Kurz: Die neun Skalen messen zuverlässig (interne Konsistenz .73 bis .91, Gesamtwert .89), und die Beschwerdeskalen hängen eng mit den entsprechenden Skalen der SCL-14 zusammen (r = .84 bis .87). Drei Punkte sollte man kennen: Geprüft wurde der HEALTH-49 nur in Hausarztpraxen und in der stationären psychosomatischen Rehabilitation, und wie stabil die Werte bei Wiederholung sind, ist nicht bekannt. Die sozialen Skalen unterscheiden Gesunde und psychisch Kranke schwächer, Soziale Unterstützung kaum (AUC 61,5 %). Und für fünf Skalen fehlt eine Prüfung an Kriterien, die ihrem Inhalt nahestehen.

Deutsche Fassung, Rabung et al. (2009). Hausarztpraxen: 5.125 Patientinnen und Patienten der DETECT-Studie (2004); gesund (2.248) und psychisch krank (425) nach Einschätzung der Hausärztinnen und Hausärzte. Stationär: 1.357 Patientinnen und Patienten aus 12 Kliniken der psychosomatischen Rehabilitation (2005 bis 2006), Aufnahme und Entlassung. Die Fläche unter der Kurve (AUC) gibt an, wie oft eine kranke Person einen höheren Wert hat als eine gesunde; 50 % entspricht dem Zufall.
Kennwert Ergebnis Stichprobe
Interne Konsistenz, neun Skalen (Cronbachs α) .76 bis .91 / .73 bis .90; am niedrigsten Soziale Belastung (.76 / .73) Hausarztpraxen / stationär
Interne Konsistenz, Gesamtwert α = .89 Stichprobe nicht genannt
Retest nicht bekannt
Zusammenhang mit SCL-14 Somatoforme Beschwerden r = .85, Depressivität .87, Phobische Ängste .84, Gesamtwert mit dem Gesamtindex .89 stationär
Zusammenhang mit IIP-25 Interaktionelle Schwierigkeiten r = .75 stationär
Gesunde gegen psychisch Kranke (AUC) Depressivität 91,1 %, Gesamtwert 90,5 %, Mittel aller Skalen 81,8 %, Soziale Belastung 73,6 %, Soziale Unterstützung 61,5 % beide
Psychisch Kranke in der Hausarztpraxis gegen stationär (AUC) Mittel 62,9 %; Interaktionelle Schwierigkeiten 71,2 %, Somatoforme Beschwerden 54,2 % beide
Veränderung während der Behandlung (standardisierte Effektstärke) mindestens .50 in sechs Skalen und im Gesamtwert; Psychisches Wohlbefinden 1,21; Soziale Unterstützung und Soziale Belastung unter .20 stationär
Neun Skalen in der Bestätigungsanalyse nicht abschließend bestätigt (CFI .915 / .868) Hausarztpraxen / stationär

Durchführung und Auswertung folgen festen Regeln: Mittelwert je Skala, drei Skalen umgepolt. Prozentränge und T-Werte gibt es für vier Gruppen aus denselben Studien: Patientinnen und Patienten der stationären psychosomatischen Rehabilitation bei Aufnahme (1.523, 12 Kliniken, 2005 bis 2006), Hausarztpatientinnen und -patienten insgesamt (5.125, 806 Praxen, 2004) und daraus die Gesunden (2.284) und die körperlich oder psychisch Kranken (843); die Tabellen stehen in den Referenzdaten (Rabung et al., 2016).

Quellen

Literatur

  • Rabung, S., Harfst, T., Kawski, S., Koch, U., Wittchen, H.-U. & Schulz, H. (2009). Psychometrische Überprüfung einer verkürzten Version der „Hamburger Module zur Erfassung allgemeiner Aspekte psychosozialer Gesundheit für die therapeutische Praxis“ (HEALTH-49). Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, 55(2), 162-179. https://doi.org/10.13109/zptm.2009.55.2.162
  • Rabung, S., Harfst, T., Koch, U. & Schulz, H. (2016). „Hamburger Module zur Erfassung allgemeiner Aspekte psychosozialer Gesundheit für die therapeutische Praxis (HEALTH)“: Referenzdaten zur verkürzten 49-Item-Version „HEALTH-49“ (Stand: 15.01.2007) (4., überarbeitete Auflage). Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
  • Rabung, S., Harfst, T., Koch, U., Wittchen, H.-U. & Schulz, H. (2007). „Hamburger Module zur Erfassung allgemeiner Aspekte psychosozialer Gesundheit für die therapeutische Praxis (HEALTH)“: psychometrische Überprüfung eines neuen Selbstbeurteilungsinstruments zur multidimensionalen Erfassung psychosozialer Gesundheit. Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin, 17(3), 133-140. https://doi.org/10.1055/s-2007-940198

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